1. Einführung: WordPress vs Wix für kleine Unternehmen
Wir haben im Juli 26 erreichbare Websites kleiner Betriebe aus Hildesheim geprüft: Malerbetriebe, Tischlereien, Kosmetikstudios, Fotografen, eine Fahrschule. Zwölf davon liefen auf WordPress, acht auf einem Homepage Baukasten, zwei davon auf Wix. Die beiden Seiten von Wix lieferten beim Aufruf der Startseite 1.076 und 1.357 Kilobyte HTML aus, während der Median aller übrigen 24 Seiten bei 110 Kilobyte lag. Keine Nicht-Wix-Seite kam über 475 Kilobyte.
Auf einen Blick
- Das günstigste werbefreie Premiumpaket Light von Wix kostet 16,66 Euro pro Monat, das größte Paket Business Elite 177,31 Euro pro Monat (Wix).
- WordPress Hosting bei einem deutschen Anbieter beginnt bei 5,03 Euro pro Monat inklusive Domain (manitu).
- Das offizielle Verzeichnis führt rund 68.000 kostenlose Plugins für WordPress, Wix wirbt mit über 900 Vorlagen (WordPress.org, Wix).
- Eine Website von Wix lässt sich nicht auf einen fremden Server umziehen, sie muss auf den Servern von Wix laufen (Wix Hilfe-Center).
- Von 26 geprüften Betriebs-Websites liefen 12 auf WordPress und 2 auf Wix; die Wix-Startseiten übertrugen rund das Neun- bis Zwölffache des Medians (Kreativschock-Stichprobe, Juli 2026).
WordPress vs Wix beschreibt den Vergleich zwischen einem offenen Content Management System und einem geschlossenen Baukasten. WordPress installieren Sie bei einem Hoster Ihrer Wahl und behalten alle Dateien und Inhalte, während Wix Editor, Hosting, Updates und Sicherheit als Abo liefert und Ihre Website dafür ausschließlich auf eigener Infrastruktur betreibt. Der Unterschied ist nicht die Bedienung, sondern der Besitz.
Fast jeder Vergleich im Netz stellt dieselbe Frage: Welches System ist einfacher zu bedienen? Das ist die Frage der ersten drei Wochen. Uns beschäftigt eine andere. In der täglichen Arbeit als Webdesign-Agentur zählt vor allem die Frage des vierten Jahres. Wer sich zwischen Baukasten und CMS entscheiden will, sollte deshalb dieselbe Systematik anlegen wie beim Duell WordPress gegen TYPO3: erst die Kriterien, dann die Marken.
2. Wix und WordPress im Schnellüberblick
Beide Plattformen bringen eine Website online. Sie tun es auf grundverschiedene Weise. Wix ist ein Website Builder, also ein geschlossenes System aus Editor, Hosting und Wartung, während WordPress ein Open-Source-CMS ist, das Sie selbst auf einem Webhosting installieren und mit Themes und Plugins erweitern.
| Kriterium | Wix | WordPress |
| Modell | Baukasten als Abo (SaaS) | Open-Source-Software, selbst gehostet |
| Hosting | im Tarif enthalten | frei wählbar, ab rund 5 Euro pro Monat |
| Design | über 900 Vorlagen, Editor mit Drag-and-drop | Themes plus Block-Editor oder Page Builder |
| Erweiterungen | App-Markt mit integrierten Apps | rund 68.000 kostenlose Plugins |
| Updates | übernimmt Wix automatisch | Sie oder Ihre Agentur, manuell oder automatisiert |
| Umzug zu anderem Anbieter | nicht möglich | jederzeit, Dateien und Datenbank gehören Ihnen |
Die Tabelle zeigt schon das Muster. Wix nimmt Ihnen Arbeit ab und behält dafür die Kontrolle. WordPress gibt Ihnen die Kontrolle und überlässt Ihnen die Arbeit, und welche Seite dieses Tauschgeschäfts günstiger ausfällt, hängt weniger von Ihren technischen Kenntnissen ab als von Ihrem Zeithorizont.
Es ist eine Frage der Laufzeit, nicht des Könnens.
3. Wix im Detail: der Baukasten mit dem Rundum-Paket
Wix bietet das, was ein Baukasten bieten soll. Sie melden sich an, wählen eine Vorlage, schieben Elemente an ihren Platz und veröffentlichen. Der Wix Editor arbeitet pixelgenau. Ein Bild landet wirklich dort, wo Sie es haben wollen. Für eine einfache Website mit fünf Seiten reicht ein Nachmittag.
Im Tarif steckt alles drin: Domain für das erste Jahr, Hosting, SSL, Backups, Sicherheitsüberwachung, Support. Der App-Markt liefert integrierte Bausteine für Terminbuchung, Newsletter, ein kleines CRM oder E-Commerce, und wer Produkte verkaufen will, kann einen Shop per Klick hinzufügen und im selben Dashboard verwalten.
Das kostet Geld, und zwar dauerhaft. Die aktuellen Preise nennt Wix selbst: Light 16,66 Euro pro Monat, Core 29,75 Euro, Business 40,46 Euro, Business Elite 177,31 Euro. Der kostenlose Einstieg existiert, zeigt aber Wix-Werbung und läuft auf einer Subdomain. Wer eine Website kostenlos erstellen möchte, landet damit sehr schnell an derselben Stelle: bei einem kostenpflichtigen Tarif.
Für eine einfache Website ist das ein faires Angebot.
Wix ist eine Mietwohnung mit Concierge. Alles funktioniert, jemand kümmert sich, und Sie dürfen die Wände nicht versetzen.
4. WordPress im Detail: das Content Management System
WordPress ist Software, die Sie selbst betreiben. Sie buchen ein Webhosting. WordPress installieren dauert dort meist einen Klick, danach gehören Dateien und Datenbank Ihnen. Genau das meint die Unterscheidung, an der viele Einsteiger scheitern: WordPress.org ist die freie Software zum Selbsthosten, WordPress.com ist ein kommerzieller Hosting-Dienst desselben Ökosystems.
Die Stärke liegt im Ökosystem. Das offizielle Verzeichnis auf WordPress.org führt rund 68.000 kostenlose Plugins, dazu kommen tausende Themes und kommerzielle Erweiterungen. Ein Shop entsteht mit WooCommerce, ein Terminkalender mit einem Buchungs-Plugin, mehrsprachige Inhalte mit einer Übersetzungslösung, und genau diese Flexibilität ist der Grund, warum WordPress für wachsende Projekte die bessere Wahl bleibt.
Der Preis dafür ist Verantwortung. WordPress erfordert Pflege: Updates für Core, Themes und Plugins müssen eingespielt werden, teils manuell, Backups müssen laufen, das Hosting für WordPress wählen Sie selbst. Ein günstiges Webhosting mit Domain gibt es bei deutschen Anbietern ab 5,03 Euro pro Monat, und wer diese Arbeit nicht selbst machen will, gibt sie an eine Agentur oder an einen Entwickler ab.
WordPress ist das eigene Haus. Sie haben den Schlüssel, Sie haben aber auch die Heizungsanlage.
Website auf eigenem Fundament
- WordPress Website mit eigener Domain und eigenem Hosting
- Fester Festpreis statt offener Stundenrechnung
- Wartung, Backups und Updates auf Wunsch inklusive
- Ein persönlicher Ansprechpartner, kein Ticketsystem
5. Direkter Vergleich: Kriterium für Kriterium
Fünf Kriterien entscheiden in der Praxis. Wir gehen sie einzeln durch und sagen jeweils, wer vorn liegt.
5.1 Benutzerfreundlichkeit
Hier gewinnt Wix, klar und ohne Diskussion. Der Editor ist selbsterklärend. Keine Installation, keine Updates, keine Serverfrage. Wer ohne technische Kenntnisse eine Website zu erstellen versucht, kommt mit Wix schneller ans Ziel.
WordPress hat den Abstand allerdings verkürzt. Der Block-Editor arbeitet visuell, moderne Themes bringen fertige Layouts mit, und wer zusätzlich auf einen Page Builder im Vergleich schaut, findet Werkzeuge, die dem Baukasten-Gefühl sehr nahe kommen.
5.2 Design und Vorlagen
Wix wirbt mit über 900 Website-Vorlagen. Sie sind modern, nach Branchen sortiert und sofort einsatzbereit, doch ein Haken steckt im Detail: Ein späterer Wechsel der Vorlage ist nicht vorgesehen, weil das Layout mit den Inhalten verwoben ist.
Bei WordPress liegt das Design im Theme und der Inhalt in der Datenbank. Ein Theme lässt sich austauschen, ohne die Texte neu zu schreiben, was nach einem Detail klingt und beim ersten Relaunch der Unterschied zwischen zwei Tagen und zwei Wochen ist.
5.3 SEO
Beide Plattformen können SEO. Wix bietet Titel, Meta-Beschreibungen, Alt-Attribute, automatische Sitemaps und Weiterleitungen. Das deckt die Grundlagen ab, und für eine kleine Website reicht es aus.
WordPress reicht tiefer. Sie bestimmen die URL-Struktur vollständig, greifen in Templates ein, steuern strukturierte Daten und optimieren die Auslieferung bis auf die einzelne Datei. Genau dort setzt unsere Stichprobe an: Die beiden Wix-Seiten übertrugen mit 1.076 und 1.357 Kilobyte ein Vielfaches der übrigen 24 Seiten. Der Unterschied ist messbar. Wer Ladezeit als Rankingfaktor ernst nimmt, hat bei WordPress mehr Kontrolle über den Hebel. Wir prüfen das bei jedem Projekt und legen die Zahlen offen, auch in unserer Suchmaschinenoptimierung.
5.4 E-Commerce
Wix hat E-Commerce integriert. Produkte, Zahlungen, Versand und Steuern liegen in einem Dashboard, das Sie ohne Vorwissen verwalten. Für zwanzig Produkte ist das eine sehr komfortable Lösung.
WooCommerce auf WordPress startet aufwendiger und endet weiter oben. Schnittstellen zur Warenwirtschaft, individuelle Preislogiken, eigene Checkout-Schritte: Alles machbar, weil der Code offen liegt, und ab einigen hundert Artikeln oder eigenen Prozessen führt kaum ein Weg daran vorbei.
5.5 Apps, Plugins und Wartung
Der App-Markt von Wix ist kuratiert. Was dort liegt, funktioniert, viele Apps sind kostenpflichtig und laufen als zusätzliches Abo neben dem Tarif. Bei WordPress ist die Auswahl größer und die Verantwortung ebenfalls: Plugins müssen gepflegt, Updates eingespielt und Backups geprüft werden.
In unseren Projekten sehen wir dieses Muster seit über 15 Jahren, denn nicht die Zahl der Plugins entscheidet über die Stabilität einer Website, sondern wie konsequent sie gepflegt wird.
5.6 Vor- und Nachteile beider Plattformen
Wix vs WordPress lässt sich am Ende auf zwei kurze Listen bringen. Beide Plattformen haben Stärken, die der jeweils anderen fehlen.
- Wix spricht für sich, wenn: Sie ohne technische Kenntnisse eine Website erstellen wollen, Hosting und Wartung nicht anfassen möchten, mit fertigen Templates zufrieden sind und integrierte Tools für Termine, Newsletter oder ein kleines CRM ohne Auswahlaufwand brauchen.
- WordPress spricht für sich, wenn: Sie eine große Auswahl an Erweiterungen und volle Kontrolle über Layout und Technik wollen, das Projekt wachsen soll, Sie die Plattform später wechseln können möchten und eine leistungsstarke Basis für Shop, Blog oder Schnittstellen benötigen.
Die Erstellung dauert bei Wix Stunden und bei WordPress Tage. Der Betrieb dreht dieses Verhältnis über die Jahre um, und genau diese Umkehr übersehen die meisten Vergleiche, weil sie den Zeitpunkt der Entscheidung mit dem Zeitraum der Nutzung verwechseln.
6. Was kostet was: die Rechnung über drei Jahre
Ein direkter Kostenvergleich ist schwierig. Beide Modelle rechnen anders. Bei Wix zahlen Sie einen Tarif, in dem Hosting und Domain stecken. Bei WordPress zahlen Sie Hosting und Domain separat, die Software selbst ist kostenlos.
Mit dem Paket Light von Wix zu 16,66 Euro pro Monat kommen Sie in drei Jahren auf rund 600 Euro. Ein WordPress Hosting für 5,03 Euro pro Monat mit inkludierter Domain landet im selben Zeitraum bei rund 181 Euro. Die Differenz beträgt etwa 419 Euro. Sie wächst mit jedem größeren Tarif und jeder kostenpflichtigen App.
Diese Rechnung ist unvollständig, und das gehört dazu. Bei WordPress kommen Wartung, Sicherheits-Updates und gelegentlich ein Premium-Plugin hinzu. Wer diese Leistung einkauft, zahlt am Ende oft mehr als bei Wix, bekommt dafür aber Arbeitszeit und Kontrolle, und wer die Website ohnehin bauen lässt, sollte nach einem Festpreis statt Stundenzettel fragen.
Kurz zusammengefasst: Wix ist günstig im Einstieg und teuer im Dauerbetrieb, WordPress ist umgekehrt, und bei einer Nutzungsdauer unter zwei Jahren gewinnt der Baukasten, während sich das Bild darüber hinaus dreht.
7. Der Ausstieg: das Kriterium, das kaum ein Vergleich nennt
Die meisten Ratgeber vergleichen Wix und WordPress entlang von Bedienung und Funktionsumfang und küren daraus einen Sieger. Unsere Position: Das sind die schwächsten Kriterien. Bedienung betrifft die ersten Wochen, Funktionsumfang lässt sich nachrüsten. Was Sie nicht nachrüsten können, ist die Möglichkeit, wieder zu gehen.
Der Test kommt nicht am Anfang, sondern am Ende.
Wix beschreibt das im eigenen Hilfe-Center unverblümt. „Damit deine Website richtig funktioniert, muss sie gehostet und auf den Servern von Wix betrieben werden.“ Im Original: „In order for your site to work properly, it needs to be hosted and operated on Wix’s servers.“ Wix hält im selben Text fest, dass die Inhalte Ihnen gehören. Die Ursache liegt in der Technik: Eine SaaS-Architektur unterstützt kein externes Hosting.
Bei WordPress steht dieselbe Frage anders da. Die offizielle Dokumentation beschreibt den Export als normalen Vorgang. „When you click the Download Export File button, WordPress will create an XML file for you to save to your computer.“ Auf Deutsch: Ein Klick auf den Export-Button erzeugt eine XML-Datei, die Sie auf Ihrem Rechner speichern. Dazu kommen Datenbank und Medien, und Ihre Website läuft beim nächsten Hoster weiter.
Ein Wechsel weg von Wix bedeutet deshalb nicht Umzug, sondern Neubau. Texte lassen sich kopieren, Bilder herunterladen. Alles andere entsteht neu: Struktur, Design, Formulare, Weiterleitungen. Bei WordPress ist der Plattformwechsel ohne Trafficverlust planbar, weil URLs und Inhalte mitkommen.
Der Möbelvergleich trifft es: Bei Wix sind die Schränke fest mit der Wand verschraubt. Beim Auszug bleiben sie stehen.
8. Unsere Empfehlung für kleine Unternehmen
Wix ist die bessere Lösung, wenn drei Dinge zusammenkommen: Die Website soll sehr schnell stehen, sie bleibt klein, und sie ist ein Nebenschauplatz. Ein Portfolio, eine Vereinsseite, eine Landingpage für ein befristetes Projekt. Dafür ist der Baukasten ehrlich gut, und niemand muss sich für diese Entscheidung rechtfertigen.
WordPress ist die bessere Wahl, sobald die Website Kunden bringen soll. Sobald Sie bloggen, ranken, verkaufen oder Prozesse anbinden wollen. Und immer dann, wenn die Seite länger als zwei bis drei Jahre laufen soll, denn ab dort schlägt die Kostenkurve um und das Exit-Risiko wird real.
Squarespace, Jimdo und die Baukästen der großen Hoster liegen zwischen diesen Polen, teilen aber dieselbe Grundeigenschaft: Sie sind geschlossene Systeme. In unserer Stichprobe nutzten acht von 26 Betrieben einen solchen Baukasten, verteilt auf vier verschiedene Anbieter. Für jeden von ihnen gilt beim Wechsel dieselbe Rechnung.
Wenn Sie sich nicht entscheiden können, prüfen Sie eine einzige Frage. Wie lange soll diese Website leben?
9. Fazit
Wix und WordPress lösen dasselbe Problem mit gegensätzlicher Philosophie. Der Baukasten verkauft Bequemlichkeit und behält die Infrastruktur. Das CMS verkauft Kontrolle und verlangt Pflege. Beide Wege sind legitim, aber sie sind nicht gleich gut umkehrbar.
Deshalb lautet unsere Empfehlung: Entscheiden Sie nicht nach dem Editor, sondern nach dem Zeithorizont und nach dem Ausstieg. Wer diese beiden Fragen vorher beantwortet, trifft die Wahl einmal und nicht zweimal.
Das Ziel ist ein sehr konkretes Bild: In vier Jahren wollen Sie Ihre Website umbauen, weil das Geschäft gewachsen ist. Sie exportieren die Inhalte, ziehen zum neuen Hoster um, setzen ein neues Theme auf, und die alten URLs ranken weiter. Kein Neuaufbau, kein Verlust, keine Verhandlung mit einem Anbieter. Das ist der Wert, den eine offene Plattform Ihnen kaufen kann.
10. Anhang: Checkliste vor der Entscheidung
- Zeithorizont bestimmen: Soll die Website länger als drei Jahre laufen? Dann rechnen Sie die Tarife hoch.
- Ausstieg durchdenken: Fragen Sie beim Anbieter nach, in welchem Format Sie Inhalte mitnehmen können.
- Funktionen auflisten: Termine, Shop, Newsletter, Mehrsprachigkeit. Prüfen Sie, was integriert ist und was extra kostet.
- Domain sichern: Registrieren Sie die Domain möglichst auf Ihren Namen, unabhängig von der Plattform.
- Pflege klären: Wer spielt Updates ein, wer prüft Backups, wer reagiert im Störfall?
- Ladezeit messen: Testen Sie eine fertige Beispielseite der Plattform auf dem Handy, nicht nur am Schreibtisch.
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Häufige Fragen zu WordPress und Wix
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